Sie wurde nach einem ungarischen Politiker, Diplomaten und Staatsmann von Weltformat, von Graf Gyula (Julius) Andrássy d. Ä. benannt. Im Rückblick auf sein Leben scheint es paradox zu sein – jedoch beweist es seine diplomatische Genialität –, dass der wegen seiner Aktivitäten als Honvédmajor in den Freiheitskämpfen von 1848-1849 gegen die Habsburger vom Kaiser Franz Joseph in contumaciam zum Tode durch den Strang verurteilte und in effigie hingerichtete Andrássy als erster Ministerpräsident vom Königreich Ungarn am 8. Juni 1867 mit dem Fürstprimas der katholischen Kirche den Kaiser in der Matthiaskirche in Buda mit der Stephanskrone zum König von Ungarn gekrönt hat. Als Minister des Äußeren und des kaiserlichen Hauses seit dem 14. November 1871 kämpfte er für die Neutralität der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) und beteiligte sich aktiv u.a. bei beiden Drei-Kaiser-Treffen in den Jahren 1872 und 1876. Dank seiner Politik wurde Österreich-Ungarn aus der Isolierung der 1860er Jahre herausgeführt und zur Großmacht in Ost-Mittel-Europa geworden. Andrássy bemühte sich dabei, die damaligen Machtverhätnisse in Europa und außerhalb des Kontinents möglichst mit friedlichen Mitteln im Gleichgewicht zu halten. Andrássy Gyula hielt sich zeit seines Lebens an den Wahlspruch seiner Familie: „Fidelitate et fortitudine“ (mit Treue und Mut).
Kein Zufall also, dass der Namensgeber der multinationalen Hochschule Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest dieser engagierte Politiker ist. Die Zielsetzung der Universität ist nach wie vor, im klassischen und positiven Sinne verstandenen liberalen Geist – wie übrigens auch im Sinne Andrássys – im Rahmen der Europäischen Union junge Generationen heranzubilden, die in ihren, an der Universität erworbenen Fachbereichen diese Geistigkeit souverän vertreten und verbreiten können. Neben der Vermittlung theoretischer Kenntnisse legt die Universität hohen Wert auf Erwerbung praktischer Erfahrungen vor allem auf dem Gebiet der Internationalen Beziehungen, der Europäischen und Internationalen Verwaltung, der Mitteleuropäischen Studien, sowie der Kulturdiplomatie und der Vergleichenden Staats- und Rechtswissenschaften. Neben der BA- und MA-Studien können die Studierenden ihr Studium in der Doktorschule fortführen.
Am 2. Dezember 2025 unterzeichneten die Rektoren der Andrássy Universität Budapest und der Károli Gáspár Universität der Reformierten Kirche in Ungarn, Prof. Dr. Zoltán Tibor Pállinger und Prof. Dr. László Henrik Trócsányi eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit, die den Studierenden beider Universitäten ermöglicht, Lehrveranstaltungen der jeweiligen Gastuniversität zu besuchen. Darüber hinaus werden u.a. gemeinsame wissenschaftliche Projekte vorbereitet und verwirklicht. Die Károli Gáspár Universität ist bestrebt, die Zusammenarbeit in der Zukunft zu intensivieren und zu vertiefen.
In diesem Sinne wünsche ich im Namen des Rektors der Károli Gáspár Universität der Reformierten Kirche in Ungarn, Prof. Dr. László Henrik Trócsányi, sowie in meinem eigenen Namen der Andrássy Universität Budapest auch weiterhin viel Erfolg.
Prof. Dr. Géza Horváth
Leiter des Instituts für Deutsche und Niederländische Kulturen
