Am 18. September 2025 luden das Mitteleuropazentrum an der AUB und das Österreichische Kulturforum Budapest zu einer Buchpräsentation mit anschließender Diskussion. Der bei Berghahn erschienene interdisziplinäre Sammelband „The Disputed Austro-Hungarian Border. Agendas, Actors, and Practices in Western Hungary / Burgenland after World War I“ wurde persönlich durch die Herausgeber Prof. Hannes Grandits (HU Berlin), Assoz. Prof. Ibolya Murber (ELTE SEK) und Assoz. Prof. Katharina Tyran (Uni Helsinki) vorgestellt.

Die Herausgeberinnen betonten dabei den Mehrwert des Bandes: Man sei bestrebt gewesen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen österreichischen und ungarischen Autor:innen zu erzielen, verschiedene Perspektiven einzubinden und interdisziplinär zu arbeiten. Zentral seien auch die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Ebenen (lokal, staatlich, international) sowie die Darstellung der vielfältigen Wechselwirkungen und Verflechtungen zwischen den beiden betroffenen Staaten.

Bewusst habe man auf eine klassische Beschreibung der politischen Geschichte des Burgenlandes verzichtet und eine akteurszentrierte Herangehensweise gewählt, um nicht nur die Etablierung der Grenze im Zuge einer postimperialen Neuordnung zu diskutieren, sondern insbesondere auch die Verschiebung von Machtverhältnissen und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Man habe politische, wirtschaftliche und soziale Polarisierungen in Zeiten eines geopolitischen Umbruchs aufzeigen und Einblicke in zeitgenössische Erfahrungen geben wollen. Dabei seien auch Fragen nach ethnischen Kategorisierungen in der Grenzregion aufgeworfen worden und was dies für die Situation der verschiedenen Minderheiten bedeutete. Mit Hilfe von verschiedenen Fotos wurden dem Publikum Aspekte des Alltags während dieser Umbruchszeit anschaulich nähergebracht.

In der an die Präsentation anschließenden regen Diskussion, die auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung eine Fortsetzung fand, wurde unter anderem auf die verschiedenen Traumata (Erster Weltkrieg, Freischärlertätigkeit, politische Propaganda etc.) und die Gewalterfahrungen, die die Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit erschütterten, eingegangen und betont, dass die Situation in den Dörfern wesentlich komplexer war als bislang in der Historiographie meist dargestellt wurde. Grandits hob hervor, dass es ein Ziel des Bandes gewesen sei, die Komplexität und Widersprüchlichkeit dieser Region aufzuzeigen und zu benennen. Die österreichisch-ungarische Grenzregion bezeichnete er als „Experimentierfeld“ im Kontext der neuen politischen Ordnungen, welches er als „beispielhaft“ ansehe, da seiner Meinung nach die Erkenntnisse, die im vorliegenden Band gewonnen wurden, auch auf andere Regionen angewandt werden könnten.
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Ursula MINDLER-STEINER

