Die Andrássy Universität Budapest trauert um ihren Gründungsprorektor Erich Kussbach

Mit großer Trauer nimmt die Andrássy Universität Budapest Abschied von ihrem Gründungsprorektor Botschafter i.R. Hon.-Prof. Dr. Dr. h. c. Erich Kussbach, LL.M. (Yale).

Erich Kussbach gehörte zu den Persönlichkeiten, die den Aufbau und die ersten Jahre unserer Universität entscheidend prägten. Als Gründungsprorektor stellte er seine außergewöhnliche diplomatische Erfahrung, seine wissenschaftliche Expertise und seine tiefe Kenntnis Ungarns und Österreichs in den Dienst der neu gegründeten deutschsprachigen Universität in Budapest.

Seine langjährige diplomatische Laufbahn begann 1963 mit dem Eintritt in den österreichischen auswärtigen Dienst. Einen besonderen Schwerpunkt seines Wirkens bildete das humanitäre Völkerrecht: Von 1974 bis 1977 leitete er die österreichische Delegation bei der Diplomatischen Konferenz über humanitäres Völkerrecht in Genf und wirkte zugleich als Vizepräsident der Konferenz. Diese führte zur Annahme der beiden Zusatzprotokolle von 1977 zu den Genfer Konventionen und stellte damit einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des humanitären Völkerrechts dar.

Den Höhepunkt und Abschluss seiner diplomatischen Karriere bildete von 1993 bis 1996 seine Tätigkeit als österreichischer Botschafter in Ungarn. Zugleich vertrat er Österreich als Ständiger Vertreter bei der Internationalen Donaukommission. Gerade in diesen Funktionen setzte er sich mit großer Sachkenntnis und persönlicher Überzeugung für die Zusammenarbeit und Verständigung in Mitteleuropa ein.

Auch über den klassischen diplomatischen Dienst hinaus übernahm Erich Kussbach bedeutende internationale Verantwortung. Von 1992 bis 1996 stand er als Präsident an der Spitze der Internationalen Humanitären Ermittlungskommission. In seinen verschiedenen Ämtern verband er juristische Präzision mit diplomatischem Geschick und einem tiefen Bewusstsein für die Bedeutung des Rechts als Grundlage friedlicher internationaler Beziehungen.

Als Wissenschaftler widmete sich Erich Kussbach insbesondere dem humanitären Völkerrecht. Er lehrte als Honorarprofessor an der Johannes Kepler Universität Linz sowie als Professor für Völkerrecht an der Katholischen Pázmány Péter Universität in Budapest. Über viele Jahre gab er seine umfassenden praktischen Erfahrungen aus Diplomatie und internationaler Rechtsentwicklung an Studierende und die akademische Gemeinschaft weiter.

Darüber hinaus engagierte er sich über zwei Jahrzehnte für die Aufarbeitung nationalsozialistischen Unrechts. Als von Österreich ernanntes Mitglied der Schiedsinstanz für Naturalrestitution wirkte er von 2001 bis 2021 an der Prüfung von Anträgen auf Rückstellung während der NS-Zeit entzogener Vermögenswerte mit. Diese verantwortungsvolle Aufgabe übte er ehrenamtlich aus.

Für die AUB war Erich Kussbach weit mehr als ein bedeutender Amtsträger ihrer Gründungszeit. Er war ein überzeugter Europäer und Brückenbauer, der für die Verständigung zwischen Ungarn, Österreich und dem gesamten deutschsprachigen Mitteleuropa eintrat. Sein Wirken entsprach in beispielhafter Weise dem grenzüberschreitenden und europäischen Auftrag unserer Universität.

Die Andrássy Universität Budapest wird Erich Kussbachs herausragende Verdienste um ihre Gründung und Entwicklung sowie sein bedeutendes diplomatisches, wissenschaftliches und gesellschaftliches Lebenswerk stets in dankbarer und ehrender Erinnerung bewahren.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

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