Konferenz zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Infrastrukturentwicklung an der Andrássy Universität

Vom 20. bis 22. November 2025 hieß die Andrássy Universität unter Leitung von Prof. Dr. Martina Eckardt und Prof. Dr. Stefan Okruch in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Frey von der Hochschule Kehl und dem Forschungsnetzwerk ECOnet Teilnehmende der Infrastructure and Cross Border Cooperation Conference in Budapest willkommen.

Diskutiert wurden zentrale Fragen der länderübergreifenden Infrastrukturentwicklung und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die Vorträge beleuchteten ein breites Spektrum: von der Bedeutung grenzüberschreitender Kooperationen für europäische Verkehrs- und Energieinfrastruktur-Vorhaben über theoretische Analysen zu interdependenten und komplexen Entscheidungs-Zusammenhängen bei Infrastrukturprojekten sowie empirische Untersuchungen zur Bereitstellung grenzüberschreitender öffentlicher Dienstleistungen bis hin zur Analyse der Rolle rechtlicher Infrastrukturen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Den Auftakt des Programms machte Prof. Dr. Alexander Eisenkopf von der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Prof. Eisenkopf behandelte in seinem Eröffnungsvortrag die Bedeutung der Trans-Europäischen Verkehrsnetze (TEN-T) für die europäische Integration und wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig zeigte Prof. Eisenkopf strukturelle Probleme der Trans-Europäischen Verkehrsnetze (TEN-T) auf, wie Koordinationsprobleme zwischen den EU-Mitgliedsländern, Finanzierungsrestriktionen oder Probleme bei der technischen Standardisierung der Infrastruktur. Im Rahmen seines Vortrags plädierte Prof. Eisenkopf für eine stärkere europäische Governance, verbindliche Verpflichtungen der Mitgliedstaaten und innovative Finanzierungsmodelle. Sein Fazit lautet: Reformen auf institutioneller und organisationaler Ebene bei der EU-Infrastrukturpolitik sind erforderlich, um die kontinentale Konnektivität und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen.

An den einleitenden Vortrag von Prof. Eisenkopf schloss sich der Beitrag von Prof. Dr. Michael Frey und Rahel Alia Müller an. Ihr Vortrag thematisierte am Beispiel grenzüberschreitender Wasserstoff-Pipelines im Oberrheingebiet entlang der deutsch-französischen Grenze und der deutsch-schweizerischen Grenze die Frage, wie rechtliche Instrumente die grenzüberschreitende Entwicklung von Infrastrukturprojekten fördern können. Prof. Frey und Frau Müller plädierten im Rahmen eines SMURF-Ansatzes (Smart Use of Regulatory Framework) für eine funktional ausgerichtete und flexible Nutzung bestehender Rechtsinstrumente, die – abhängig von Grenzverlauf und technischer Situation – eine passgenaue Form der Zusammenarbeit ermöglichen soll.

Im Anschluss an die rechtlich-administrative Perspektive auf grenzüberschreitende Energieinfrastrukturen von Prof. Frey und Frau Müller eröffnete Dr. Christian Kimmich vom Institut für Höhere Studien in Wien mit seinem Beitrag eine stärker theoretisch-analytische Sicht auf infrastrukturelle Entscheidungsprozesse. Dr. Kimmich rückte im Rahmen seines Vortrags die komplexen Entscheidungs-Zusammenhänge und gegenseitigen Abhängigkeiten in den Mittelpunkt, die Infrastrukturen grundsätzlich prägen. Auf Grundlage des Konzepts der connected games zeigte er, wie verschiedene Entscheidungssituationen – etwa in der Energie-, Wasser- oder Agrar-Infrastruktur – miteinander verknüpft sind und wie solche Interdependenzen beobachtbare Resultate realer Governance-, Nutzungs- und Infrastruktur-Prozesse beeinflussen können.

Nach Dr. Kimmichs theoretischer Einordnung der Bedeutung der connected games für das Verständnis vernetzter Governance- und Entscheidungsprozesse in kritischen Infrastrukturen richtete sich der Blick am Freitagnachmittag auf eine empirische Analyse potentieller Determinanten grenzüberschreitender Kooperationen im europäischen Raum. Konkret widmete sich Tobias Heyduk vom University College Cork und der Hochschule Kehl der Frage, wie grenzüberschreitende Integration im institutionellen, sozialen und funktionalen Kontext die Bereitstellung gemeinsamer öffentlicher Dienstleistungen in europäischen Grenzregionen determiniert. Auf Grundlage eines umfangreichen Datensatzes zu EU-Grenzregionen analysierte er, welche Rolle die unterschiedlichen Formen der Integration für die tatsächliche Zahl der grenzüberschreitenden Kooperation bei öffentlichen Dienstleistungen spielen.

Den Abschluss des fachlichen Programms am Freitag gestaltete Prof. Marcos Nóbrega von der Federal University of Pernambuco in Brasilien. In seinem Vortrag zum Thema „Incomplete Contracting of Infrastructure – Economic Theory of Public Contracts“ zeigte er auf, wie langfristige Infrastruktur-Verträge unter Bedingungen von Unsicherheit gestaltet werden können und welche Rolle Anpassungsfähigkeit dabei spielt.

Dr. Kimmich vom Institut für Höhere Studien in Wien eröffnete den zweiten Programmtag am Samstagvormittag mit einem Beitrag zur Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Energie- und Wasserinfrastrukturen sowie zu Ansätzen für eine europäische Regulierung der grenzüberschreitenden Einführung neuer Technologien. Danach setzte sich das Programm am Samstagvormittag mit weiteren fachlichen Beiträgen fort. In seinem Vortrag „Rome wasn’t built in a day: The long way to institutional innovation for CBC“ zeigte Prof. Dr. Stefan Okruch aus historischer und institutionenökonomischer Perspektive auf, wie langwierig und komplex institutionelle Innovationsprozesse in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verlaufen und welche strukturellen Faktoren diese Entwicklung prägen.

Den Abschluss des Workshops bildete der Vortrag von Prof. Dr. Martina Eckardt zum Thema „Legal Infrastructure and Cross-Border Cooperation“. Sie zeigte auf, welche Rolle rechtliche Infrastrukturen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit spielen und welche Herausforderungen sich aus fragmentierten Rechtsrahmen, unterschiedlichen politischen Prioritäten und vielschichtigen institutionellen Ebenen ergeben.

Abgerundet wurde das Programm am Samstag durch Prof. Frey, der darauf hinwies, dass die Andrássy Universität selbst ein gelungenes Beispiel grenzüberschreitender institutioneller Kooperation im Bildungsbereich darstellt. Für das kommende Jahr ist eine weitere Konferenz zum Thema grenzüberschreitende Kooperationen an der Hochschule Kehl geplant.

Simon ANDA

Stefan OKRUCH

Martina ECKARDT

Share This