Ungarn vor den Parlamentswahlen am 12. April 2026

Am 13. Januar 2026 hat Staatspräsident Tamás Sulyok die Wahlen zur ungarischen Nationalversammlung für den 12. April 2026 ausgeschrieben.

Es gilt die 199 Parlamentsmandate neu zu besetzen. Dabei kommt ein gemischtes Wahlsystem zum Tragen: 106 Sitze werden direkt in Einerwahlkreisen und 93 über Listen vergeben. Die offizielle Wahlkampfperiode dauert vom 21. Februar bis zum 12. April. Um die zu vergebenden Sitze konkurrieren fünf Parteilisten und 639 Kandidierende in den Einerwahlkreisen.

Entwicklung Parteiensystem seit den letzten Wahlen

Nach den Wahlen von 2010 brach das nach dem Systemwechsel entstandene Parteiensystems zusammen. FIDESZ errang einen überwältigenden Wahlsieg und die Systemwechselparteien verschwanden endgültig aus dem Parlament. Gleichzeitig gelangten zwei neue Parteien – die grün-liberale LMP (Lehet Más a Politika, Politik kann anders sein) und die rechtsextreme Jobbik (Magyarországért Mozgalom, Bewegung für ein besseres Ungarn) – ins Parlament. Die MSZP, die zwischen 2002 und 2010 an der Regierung war, erlebte eine heftige Niederlage und konnte sich in der Folge von dieser nicht erholen, spaltete sich und geriet in eine stetige Abwärtsspirale. Die Zwei-Drittel-Mehrheit hat der neuen Regierung die Möglichkeit verschafft, das politische System inklusive des Wahlrechts gemäß ihren eigenen Interessen umzugestalten. Damit ist es FIDESZ gelungen, sich als dominierende Partei zu etablieren. Die Opposition blieb dagegen fragmentiert und ihr gelang es nicht, sich nachhaltig zu konsolidieren. Auch der Versuch, bei den Wahlen von 2022 durch einen Zusammenschluss fast aller Oppositionsparteien in einem Wahlbündnis mit gemeinsamer Liste und gemeinsamen Kandidaten in den Einerwahlkreisen FIDESZ zu besiegen, scheiterte. Stattdessen war die Opposition nach den Wahlen schwächer als zuvor und fand kein Rezept, um die Dominanz von FIDESZ zu brechen. Das änderte sich erst 2024, als es zu einem erneuten Umbruch des Parteiensystems kam. Die TISZA-Partei wurde innerhalb weniger Wochen zur mit Abstand größten Oppositionspartei und erzielte bei den Europawahlen am 9. Juni 2024 quasi aus dem Stand heraus fast 30 Prozent der Stimmen. TISZA verdrängte in der Folge fast alle anderen Oppositionsparteien in die Bedeutungslosigkeit. Im Vorfeld der Wahlen scheint sich abzuzeichnen, dass das 2011 eingeführte neue Wahlsystem erstmals die prognostizierte Wirkung in Richtung eines Zweiparteiensystems entfaltet.

Der aktuelle Wahlkampf

Der Kontrast zwischen den Wahlkampagnen von FIDESZ und TISZA könnte nicht größer sein. TISZA führt einen inhaltlichen Wahlkampf und hat Anfang Februar ein Programm mit dem Titel „A Működő és Emberséges Ország Alapjai” (Die Grundlagen für funktionierendes und menschliches Ungarn) vorgelegt, in dem auf 240 Seiten die Pläne einer TIZSA-Regierung ausführlich dargestellt werden. Zentrale Punkte darin sind u.a. die Umsetzung dringend notwendiger Reformen des Gesundheitssystems und des Bildungssystems, die Bekämpfung der systemischen Korruption, die Wiederherstellung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die Wiederherstellung der Medienfreiheit und die Einführung des EUROs. Ein wichtiges Ziel ist außerdem die Überwindung der tiefen Polarisierung und die Versöhnung der ungarischen Gesellschaft. Die innenpolitischen Reformen sollen auch die Grundlage dafür schaffen, möglichst schnell die Freigabe der eingefrorenen EU-Gelder für Ungarn erreichen. Auch in der Außen- und Europapolitik soll es einen Kurswechsel geben. Ungarn soll wieder zu einem vertrauenswürdigen und konstruktiven Partner in der EU und in der NATO werden und so das negative Image des Landes überwunden werden.  Péter Magyar setzt in seiner Kampagne auf die direkte Ansprache der Bevölkerung und konzentriert sich dabei nicht auf Budapest, sondern vor allem auf die Provinz. Seit zwei Jahren reist er deshalb fast ständig durch das ganze Land und erreicht dadurch auch die Menschen, die sich fast ausschließlich über die regierungsnahen Medien informieren. In der Endphase des Wahlkampfes besucht er bis zu sechs Orte an einem Tag.

Viktor Orbán verzichtet dagegen auf ein programmatisches Angebot für die Zukunft Ungarns. Stattdessen zeichnet er ein dystopisches Bild von den Folgen, die eine Niederlage von FIDESZ in den Wahlen für das Land und jeden Einzelnen bedeuten würde. Die geopolitischen Fragen dominieren: Danach würde Ungarn in den Krieg in der Ukraine hineingezogen und ungarische Soldaten würden gezwungen, an der ukrainischen Front zu kämpfen. Das zentrale Thema ist dabei die vorgebliche Bedrohung Ungarns durch die Ukraine und ihren Präsidenten Wolodomyr Selenskyj, der als Feind Ungarns dargestellt wird, der gemeinsam mit der Vorsitzenden der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, von außen versuchen würde, den Wahlausgang in Ungarn zu beeinflussen, um Péter Magyar und der TISZA-Partei zum Sieg zu verhelfen. Außerdem plane die Ukraine Anschläge auf die kritische Energieinfrastruktur Ungarns, weshalb in ganz Ungarn Soldaten mobilisiert wurden, um kritische Anlagen zu schützen. Der sogenannte Friedensmarsch von FIDESZ anlässlich des Nationalfeiertages am 15. März 2026 hatte das Motto  “Wir werden keine ukrainische Kolonie sein!”, was sogar die Gefahr einer Invasion Ungarns durch die Ukraine heraufbeschwört. Angst wird auch in Zusammenhang mit dem Thema Energiesicherheit erzeugt. Diese werde durch die vorgebliche Blockade der Druschba-Pipeline durch die Ukraine und die europäische Sanktionspolitik gegenüber Russland bedroht. Diese Faktoren würden die Sicherheit und Wohlfahrt Ungarns gefährden und nur FIDESZ sei in der Lage, effektiv gegen diese Bedrohungen vorzugehen, während eine von TISZA geführte Regierung zum Erfüllungsgehilfen fremder Mächte würde.

Aufgrund des Erfolgs von Magyar mit seiner Wahlkampftour sah sich Orbán gezwungen, ebenfalls an Wahlkampfkundgebungen im ganzen Land teilzunehmen, nachdem er in den vorhergehenden Wahlkämpfen eine eher zurückhaltende, präsidiale Rolle eingenommen hatte. Allerdings musste er sich bei seinen Veranstaltungen vermehrt mit Gegendemonstrationen auseinandersetzen.

Bei der Betrachtung der aktuellen Wahlplakate entsteht der Eindruck, dass FIDESZ die neuen Ideen für die visuelle Umsetzung der Kampagne fehlen. Auf den derzeit dominierenden Plakaten sind sehr unvorteilhafte Portraits von Selenskij und Magyar kombiniert mit dem Slogan “Sie sind gefährlich! Stoppen wir Sie!” (Veszélyeskek! Állítsuk meg őket!) zu sehen. Fast die gleichen Plakate mit dem identischen Slogan gab es bereits vor vier Jahren, nur die unvorteilhaft porträtierten Personen waren andere: der damalige Spitzenkandidat des Wahlbündnisses der Opposition, Péter Márki-Zay, und der damalige Vorsitzende der Partei “Demokratische Koalition”, Ferenc Gyurcsány.

Abbildung 1: Vergleich FIDESZ-Wahlplakate 2026 (links) und 2022 (rechts)

Quelle: Ellen Bos

Wie bereits bei den letzten Wahlen in Ungarn ist der Wahlkampf durch ungleiche Wettbewerbsbedingungen gekennzeichnet. FIDESZ stehen unverhältnismäßig größere Ressourcen zur Verfügung als allen anderen Parteien. Dies ist nicht zuletzt auf die mangelnde Trennung zwischen Wahlkampfaktivitäten von FIDESZ und der Nutzung von staatlichen und regierungsnahen Ressourcen sowie die Dominanz der FIDESZ-nahen Medien  zurückzuführen (vgl. dazu ODHIR 2026: 2-3). Außerdem ist die Obergrenze der Parteiausgaben für den Wahlkampf aufgehoben worden, so dass die ohnehin vorhandene Intransparenz im Bereich der Aufwendungen für Wahlkampfaktivitäten eher noch größer sein wird als bisher. Allerdings war FIDESZ gezwungen, sich an die neuen EU-Regeln zur Online-Wahlkampfwerbung anpassen. Die Vorteile, die FIDESZ bisher aufgrund der Überlegenheit der finanziellen Ressourcen auf diesem Gebiet hatte, fielen durch das Verbot politischer Werbung weg. Der Versuch, dies durch den Aufbau sogenannter Digitaler Bürgerkreise (Digitális Polgári Körök) auszugleichen, war nur begrenzt erfolgreich.

Die Regierung hat erneut großzügig “Wahlgeschenke” verteilt, etwa die Ankündigung einer 14. Monatsrente, die Anhebung des Mindestlohnes und weitere Leistungen bei der Unterstützung für Familien mit Kindern sowie eine kurzfristige Deckelung der Treibstoffpreise. Schließlich sind auch Bedenken im Hinblick auf die mögliche Beschädigung der Integrität der Wahlen durch Stimmenkauf bzw. Einschüchterungen und Drohungen gegenüber Wählern ein sehr präsentes Thema im öffentlichen Diskurs. Dies ist nicht zuletzt auch auf einen Dokumentarfilm mit dem Titel “A Szavazat Ára” (Der Preis der Stimme 2026) zurückzuführen, der in vergangenen Wahlen eingesetzte Verfahren der unzulässigen Manipulation von Wählern konkret aufzeigt.

In diesem Wahlkampf kommt außerdem auch der intensive und koordinierte Einsatz von Desinformation und mit KI manipulierten bzw. kreierten Fotos, Videos und sogar einem Comic zur Diskreditierung des Oppositionsführers Péter Magyar und den angeblichen Plänen der TISZA-Partei hinzu. Magyar wird seit Monaten durch Videos diffamiert, die Anschuldigungen im Hinblick auf sein persönliches, sexuelles und finanzielles Verhalten beinhalten (Applebaum 2026). Diese Bilder und Videos verstärken mit ihrer visuellen Wirkung die Botschaften einfach formulierter Texte, die Emotionen wie Angst und Ablehnung bzw. Abscheu erzeugen sollen.  TISZA wird auf diese Weise mit “ukrainischer Agent” gleichgesetzt und “Brüssel, Kiew und TISZA” stehen zusammen für „Verschwörung“ (Political Capital 2026a). In den landesweiten regierungsnahen Medien beziehen sich die mit KI generierten visuellen Botschaften vor allem auf zwei Hauptthemen: “Einflussnahme aus dem Ausland” und “Energiepanik” (Political Capital 2026b).

In der letzten Phase haben sich die Intensität und die Dynamik des Wahlkampfes noch einmal enorm erhöht. Teilweise überschlagen sich die Ereignisse in einer Geschwindigkeit, dass sie kaum noch zu verfolgen und zu verarbeiten sind. Zum einen melden sich fast täglich Insider aus dem Orbán-Systems zu Wort, die über Missstände in den Sicherheitsdiensten, Ermittlungsbehörden, dem Militär und der Wirtschaft berichten und sich dadurch vom System lossagen. Sogar Insider aus regierungsnahen Thinktanks distanzieren sich vom System und thematisieren den politischen Druck, dem sie ausgesetzt sind. Diese täglich neu auftauchenden Nachrichten aus dem Inneren des Systems scheinen auf eine gewisse Verunsicherung und zunehmenden Absetzungsbewegungen vom Regime hinzudeuten.

Beeinflussung aus dem Ausland

Die Beeinflussung der Wahlen durch das Ausland ist ein den gesamten Wahlkampf prägendes Thema. Einerseits ist der behauptete Einfluss der Ukraine und der EU ein zentrales Thema der Wahlkampagne von FIDESZ. Das Narrativ, dass die Ukraine in einer Allianz mit der EU den Sieg von TISZA und Péter Magyar vorantreiben würde, war und ist eines der zentralen Motive der Wahlplakate. Andererseits wird gerade in der letzten Phase des Wahlkampfes über die Unterstützung von Viktor Orbán sowohl durch die USA als auch durch Russland diskutiert. Die Wahlkampfhilfe für Orbán aus den USA ist offensichtlich. Zwar fand der erhoffte und auch schon für den 21. März prognostizierte Besuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump dann doch nicht statt, aber sowohl der amerikanische Außenminister Marco Rubio also auch der Vizepräsident J.D. Vance reisten zur Unterstützung von Orbán nach Budapest.  Donald Trump beschränkte sich auf das Endorsement Orbáns per Videobotschaft. Dass Vance bei seinem Besuch am 7./8. April die äußere Einmischung in die Wahlen verurteilte, hinderte ihn nicht daran, sich ganz explizit für die Wiederwahl von Orbán einzusetzen. Die Unterstützung aus Russland ist nicht so offensichtlich, sie vollzieht sich eher im Verborgenen. Allerdings haben westliche Geheimdienste und ungarische Investigativjournalisten die Information verbreitet, dass Vertreter des russischen Geheimdienstes in Ungarn tätig sind, um den Wahlkampf von FIDESZ z.B. durch Desinformationskampagnen zu unterstützen. Auch „False Flag“-Aktionen, wie ein vorgebliches Attentat gegen die serbisch-ungarische Gas-Pipeline zeigt, können nicht ausgeschlossen werden.

Trotz der angespannten Stimmung und der hektischen Kommunikation im Schlussspurt des Wahlkampfs scheint die FIDESZ-Kampagne nur eine eingeschränkte Wirkung zu entfalten. Der Partei gelingt es nicht, wie die letzten Analysen von Policy Solutions (2026) und Medián (Endre/Nagy 2026) zeigen, den vorherrschenden Trend zu kehren; sie kann keine weiteren Schichten über den Kreis ihrer Stammwählerschaft hinaus erreichen.

Die aktuellsten Prognosen vor dem Wahltag

Mit dem Auftreten der TISZA-Partei hat sich die politische Landschaft Ungarns fundamental verändert. Seit Oktober 2024 führt die Partei ununterbrochen in den meisten Meinungsumfragen und konnte ihren Vorsprung gegenüber der zweitplatzierten FIDESZ kontinuierlich ausbauen. Die anderen Parteien verloren kontinuierlich an Boden. (vgl. Medián 2026).

Abbildung 2: Unterstützung der Parteien 2024-2026 (Medián 2026)

Quelle: https://median.hu/2026/03/30/az-elmult-ket-ev-median-felmeresei-egy-abran/

Die letzten Umfragen der regierungsunabhängigen Meinungsforschungsinstitute bestätigen einhellig den langfristigen Trend und deuten auf einen soliden Vorsprung von TISZA bei den Listenstimmen hin (pártpreferencia.hu 2026). Nur die regierungsnahen Institute kommen zu anderen Ergebnissen.

Abbildung 3: Prognosen der Listenstimmen (pártpreferencia.hu 2026)

Quelle: https://partpreferencia.hu/negyedeves-elemzesek/

Die Entwicklung, die sich hinsichtlich der Listenstimmen abzeichnet, scheint sich auch auf der Ebene der Einerwahlkreise zu bestätigen. Auch die aktuellste Projektion von taktikaiszavazas.hu sieht TISZA in den Einerwahlkreisen mit 85 zu 21 Sitzen vorn. Mi Hazánk (Unsere Heimat) würde sechs Mandate gewinnen und die Vertretung der Roma Minderheit könnte mit einem Mandat rechnen (taktikaiszavazas.hu 2026).

Abbildung 4: Sitzverteilung in den Einerwahlkreisen (taktikaiszavazas.hu 2026)

Quelle: https://taktikaiszavazas.hu/

Die aktuellsten Umfragen der regierungsunabhängigen Meinungsforschungsinstitute gehen von einem deutlichen Sieg von TISZA aus. Einige sehen auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bereich des Möglichen. Legt man allein die vorliegenden Prognosen zugrunde, ist von einem Regierungswechsel auszugehen. Angesichts der Volatilität der Lage und der Erfahrungen bei den letzten Wahlen sind diese Prognosen mit einer gewissen Skepsis zu betrachten.

Dabei gilt es auch zu beachten, dass die Risiken rund um den 12. April nicht nur vor dem Wahltag aktuell sind, sondern auch die Phase nach der Schließung der Wahllokale betreffen. Im Vorfeld stehen – wie bereits erwähnt – vor allem Desinformation, ausländische Einflussnahme, die Instrumentalisierung staatlicher Ressourcen sowie Druck auf kritische Medien und Journalisten im Mittelpunkt der Warnungen. Besonders brisant ist dabei die von András Rácz beschriebene Gefahr einer möglichen „False-Flag“- oder Provokationsoperation: Seiner Einschätzung nach wird in regierungsnahen Medien die Erzählung verbreitet, dass angeblich aus der Ukraine kommende Akteure in Ungarn Unruhe stiften könnten; tatsächlich hält er dieses Szenario für unrealistisch und verweist stattdessen auf die Möglichkeit, dass im Falle von Demonstrationen oder Spannungen nach der Wahl russische oder russlandnahe Provokateure auftreten könnten, um Gewalt zu erzeugen und diese anschließend propagandistisch als „ukrainische Einmischung“ umzudeuten, was entsprechende Reaktionen seitens der Staatsmacht provozieren könnte. Risiken enden damit nicht am Abend des 12. April: Gerade dann könnten Narrative über angebliche Manipulation, Unruhe oder äußere Einmischung besonders wirksam werden, um Proteste zu delegitimieren oder ein hartes staatliches Vorgehen zu rechtfertigen. Zugleich sollte festgehalten werden, dass selbst am 12. April womöglich noch kein rechtlich belastbares Endergebnis vorliegen wird: Vorläufige Resultate oder Hochrechnungen sind zwar am Wahlabend möglich, doch Beschwerden, Anfechtungen, Nachzählungen oder andere rechtliche und institutionelle Manöver könnten die offizielle Feststellung des Ergebnisses verzögern und die politische Unsicherheit über den Wahltag hinaus verlängern.

Fest steht aber bereits jetzt, dass der Aufstieg von Peter Magyars TISZA-Partei eine politische Zäsur in Ungarn markiert. Innerhalb kurzer Zeit hat TISZA den politischen Raum neu geordnet und die Oppositionslandschaft grundlegend umgebaut. Der Partei ist es gelungen, Teile der Gesellschaft zu mobilisieren und neue politische Dynamik zu erzeugen. Mit einer geschickten und weitgehend fehlerfreien Kampagne konnte TISZA zum einen von der Schwäche der etablierten Oppositionsparteien profitieren: In der aktuellen Konstellation kann sie auf die Stimmen ihrer Anhängerschaft bauen, ohne dafür Zugeständnisse an das linke Lager machen zu müssen, und sich stattdessen ganz auf ihr zentristisches Profil konzentrieren. Zum anderen profitiert TISZA von der Erosion der FIDESZ, die nach 16 Jahren an der Macht deutliche Verschleißerscheinungen zeigt und in der vergangenen Legislaturperiode auch wirtschaftspolitisch keine überzeugende Bilanz vorlegen konnte. Vor allem aber haben Peter Magyar und seine TISZA-Partei gezeigt, dass das Orbán-System nicht unerschütterlich ist.

Ellen BOS und Zoltán Tibor PÁLLINGER


Literatur

A Szavazat Ára (Der Preis der Stimme), Film, https://www.youtube.com/watch?v=ZCwQR5HRWR8 (leitzter Zugriff 10.04.2026).

Applebaum, Anne (2026): The First Post-Reality Political Campaign. Hungary’s Viktor Orbán is waging cognitive warfare on a new scale, In: The Atlantic 27.03.,  https://www.theatlantic.com/ideas/2026/03/hungary-first-post-reality-political-campaign/686565/ (letzter Zugriff 10.04.2026)

Hann, Endre / Nagy, Réka (2026): Ebből a Medián-elemzésből látszik, ki miért szavaz a Fideszre vagy a Tiszára [Aus dieser Medián-Analyse geht hervor, wer warum für Fidesz oder Tisza stimmt], in: HVG 9.4., https://hvg.hu/360/20260409_hvg-median-valasztas-2026-partok-valasztoi-motivacio (letzter Zugriff 10.04.2026).

Medián (2026): Az elmúlt két év Medián-felmérései egy ábrán [Die Medián-Umfragen der letzten zwei Jahre in einer Grafik], https://median.hu/2026/03/30/az-elmult-ket-ev-median-felmeresei-egy-abran/ (letzter Zugriff 10.04.2026).

OHDIR (Office for Democratic Institutions and Human Rights) (2026): Hungary Parliamentary Elections 12 April 2026. ODIHR Needs Assessment Mission Report 15-19 December 2025. Warschau 2026, https://odihr.osce.org/odihr/661807 (letzter Zugriff 10.04.2026).

pártpreferencia.hu (2026): Negyedéves elemzések, https://partpreferencia.hu/negyedeves-elemzesek/ (letzter Zugriff 10.04.2026)

Policy Solution (2026): Közhangulat Magyarországon a 2026-os parlamenti választás előtt [Die öffentliche Stimmung in Ungarn vor den Parlamentswahlen 2026], https://www.policysolutions.hu/userfiles/elemzes/381/policy_solutions_kozhangulat_magyarorszagon_2026marcius.pdf (letzter Zugriff 10.03.2026).

Political Capital (2026a): AI-generált képsorozatok a kormánypárt üzeneteinek szolgálatában a megyei lapok Facebook-oldalain [KI-generierte Bilderserien im Dienste der Botschaften der Regierungspartei auf den Facebook-Seiten der Kreiszeitungen], 27.03., https://politicalcapital.hu/hireink.php?article_id=3665 (letzer Zugriff 10.04.2026).

Political Capital (2026b): Mesterséges lejáratás a kormányzati irányítású országos médiában [Mit KI kreierte Diskreditierung in den von der Regierung gelenkten nationalen Medien], 1.04., https://politicalcapital.hu/hireink.php?article_id=3667 (letzter Zugriff 10.04.2026).

Rácz, András (08.04.2026); A kormánymédia épp előkészíti szláv anyanyelvű provokátorok lehetséges érkezését a választásokra [Die regierungsnahen Medien bereiten gerade die mögliche Ankunft slawischsprachiger Provokateure zu den Wahlen vor], https://www.facebook.com/andras.racz.526/posts/pfbid02azZ143GNE4mJ55a9hhWV1REPCCrU5pujrHTjmqFxq7Kpu2tCAqJFreH6CbSzFKM7l (letzter Zugriff 10.04.2026)

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